29. April bis 30. Mai 2022 Fotoausstellung Photon Gallery, Zieglergasse 34, 1070 Wien
Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein stillgelegter Steinbruch in einem Vorort von Ljubljana, in dem früher Asphalt für eine Straßenbaufirma hergestellt wurde. Der Industriekomplex besteht aus mehreren Sektoren, die sich in unterschiedlichen Stadien der Stilllegung befinden. Man geht davon aus, dass das Gebiet schon seit Jahrhunderten für ähnliche Zwecke genutzt wurde, aber der Steinbruch wurde in den 1930er Jahren in einer moderneren Form in Betrieb genommen. Ab Anfang der 1980er Jahre war das Gelände Gegenstand mehrerer erfolgloser Sanierungspläne, bis die Baufirma dem Vermögensverzehr der Geschäftsführung erlag und eine Bad Bank das Eigentum an der Immobilie übernahm. Die meisten Gebäude der Industrieanlage sind inzwischen abgerissen worden. Teile des Geländes sind zugewachsen oder Teil des öffentlichen Raums geworden, während der zentrale Teil noch immer als Deponie für Bauschutt genutzt wird.


Eröffnung: Freitag, 29. April, um 18.00 Uhr

Durch das Sammeln und Studieren von vorgefundenen Fotos, Briefen, Sitzungsprotokollen, Online-Posts, Fachpublikationen, Blaupausen, Materialproben, Bauelementen und anderen technischen Materialien, persönlichen Gegenständen und Archivdokumenten sowie durch das Anfertigen eigener Fotografien der materiellen Spuren in der Landschaft untersucht Lin Gerkman die sozialen und ökologischen Folgen des Übergangs von einem sozialistischen Wirtschaftssystem mit Arbeiterselbstverwaltung zu einer Marktwirtschaft mit starken Tendenzen einzelner Akteure zur schnellen Kapitalakkumulation. Er kartiert die Zeit des politischen und wirtschaftlichen Übergangs anhand der Spuren, die er in der Wirtschaft, im Leben der Arbeitnehmer und in der Umwelt hinterlässt.

Lin Gerkman (1995, Slowenien) machte seinen Abschluss in Industriedesign an der Akademie der Bildenden Künste und des Designs in Ljubljana, wo er derzeit seinen Masterabschluss macht. Neben dem Design arbeitet er auch im Bereich der bildenden Kunst. In seiner Arbeit geht es darum, in gefundenen Objekten und alltäglichen Situationen eine Bedeutung zu finden. Er erforscht aktuelle Ereignisse und die Reste der Zeitgeschichte, die sie prägen. Dabei verwendet er eine breite Palette von Fundstücken und Archivmaterialien, die er entweder als Ausgangspunkt für die Schaffung völlig neuer Werke verwendet oder zu neuen, zusammengesetzten Ganzheiten kombiniert. Er interessiert sich für die Beziehung des Einzelnen zu seinem Zuhause, die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen und die Beziehung zwischen Politischem und Privatem.


Fotos: © Lin Gerkman, First Snow Series, 2015-2021

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