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25. Juni bis 3. September 2014 Bildraum 07, Burggasse 7-9, 1070 Wien

Wandeln Engel unter uns und wenn ja, wie sehen diese Engel aus? Diese Fragen richtet Eva Petrič an die Besucher der Ausstellung „21. Century Angel“ im Bildraum 07 und gibt eine mögliche Antwort.

  • Performance: travelling*Heart
  • Am Freitag, 8. August, und Mittwoch, 3. September 2014, findet jeweils um 21.00 Uhr bei freiem Eintritt eine choreografische Intervention im Rahmen der Ausstellung statt.
  • Tanz: Kanako Sako
  • Kontrabass: Matija Schellander
  • Kostüm: Devi Saha
  • Konzeption, Choreografie: Bert Gstettner / Tanz*Hotel

Travelling*Heart ist eine Kooperation von Tanz*Hotel, Eva Petrič und der Bildrecht GmbH.


Für die in Slowenien geborene Künstlerin, die spartenübergreifend in den Bereichen Installation, Fotografie, Video, Film und Malerei arbeitet, ist unser aller Schutzengel das körpereigene Immunsystem. Bei Petrič tritt es in einer Doppelrolle auf, die in Rauminstallationen und von Fotoserien reflektiert wird. Das Immunsystem, nicht ertastbar oder sichtbar, dennoch aber von überlebensnotwenigem Schutz vor Krankheitserregern, freien Radikalen, oder den Pollen des Birkenbaumes in Nachbars Garten, wird bei Petrič zu einem Inbegriff des einerseits Guten, das gepflegt und geachtet, schützend seine Flügel über uns breitet.

Doch ähnlich unserer Atmung agiert das Immunsystem in Eigenregie, wir können es weder steuern, noch seine Effektivität einfordern. Nicht nur in der Weltauffassung des frühen Christentums versagt das Gute dann und wann und fällt, vom Göttlichen verstoßen, einem harten Aufprall entgegen. Was passiert nun wenn uns unser Immunsystem kündigt, wenn der Körper den Körper verstößt? In den Fotografien aus der Serie „AngelHound“ wird die Künstlerin selbst zum gefallenen Engel, zur Autoimmunerkrankung, zur Rebellin gegen sich selbst.

In Wechselwirkung mit den Fotoserien setzen sich Eva Petričs Installationen „The Giver“ und „The Keeper“, sowie das Lichtobjekt „Soul“, mit dem Thema Organtransplantation auseinander. Die beiden Installationen aus der Serie „Hematoma“, aus Häkeldecken zusammengefügt, repräsentieren organisches Gewebe, Nervenbahnen und Blutgerinnsel. Sie symbolisieren Ende und Anfang, Stillstand und pulsierendes Leben. „21. Century Angel“ spannt einen Bogen zur Geschichte der Organtransplantation und den damit verbundenen Fortschritten in der medizinischen Forschung. Das Jahr 2014 markiert das 60. Jubiläum der ersten erfolgreichen Nierentransplantation, durchgeführt in Boston an einem Zwillingspaar von dem späteren Nobelpreisträger Dr. Joseph Murray. Zuvor scheiterten weltweit Wissenschaftler und Ärzte an der Abstoßung des eingepflanzten Gewebes. Als Grund dafür wurde ein aktiver Immunisierungsmechanismus erkannt. So kam es, neben der Gefäßchirurgie, auf dem Fachgebiet der Immunologie zu einem Wissenssprung von dem heute eine breite Masse an Patienten profitiert.

Der für Petrič charakteristische Einsatz von Garn als leicht transparentes Trägermaterial ihrer jüngsten Rauminstallationen, sowie die Komplementierung der Ausstellung durch Fotografien, dienen der Erweiterung des bestehenden Raumes um einen imaginären und metaphorischen Raum. Unweigerlich begegnen rund um das Thema Organspende und Transplantation tiefere Sinn,- und Existenzfragen: Wo im Körper befindet sich meine Seele? Welcher Teil vom Ich wird zum Du, welcher Teil vom Du zum Ich, wenn mein Herz in deiner Brust weiter schlägt? Das sogenannte Leib-Seele-Problem, über die Zeit mehrfach diskutiert von Größen wie Aristoteles, Seneca, Descartes, Hobbes und Brentano, zählt zu den wichtigsten philosophischen und religiösen Fragen der Menschheit. Als möglicher Sitz der Seele nannte eine Vielzahl europäischer Gelehrter das Herz, für Vertreter der traditionellen chinesischen Medizin ist es die Leber, und die Lunge, als Flügel der Seele bezeichnet, spielte eine tragende Rolle im Altertum.

Auch in der Ausstellung „21. Century Angel“ wird der Diskurs nach dem Verbleib der Seele wiederbelebt. Besonders die auf einen Lichtkubus aus Plexiglas angebrachte Fotografie „Soul“ nennt die Thematik beim Namen. Eva Petrič konzentriert die Momentaufnahme auf den unmittelbaren Akt der Organentnahme und auf die Anordnung der Chirurgenhände. Rohheit, Brutalität, aber auch Effizienz, beschreiben in „Soul“ den Akt der Schöpfung, wie auch jenen der Zerstörung. Durch die Überlagerung mehrerer Bilder entstehen verschiedene Ebenen, die einen Blick auf unterschiedliche Aspekte der Wirklichkeit zulassen. Schemenhaft begegnet dem Betrachter eine Schattenfigur - vielleicht ein Engel, vielleicht die Seele, wie sie der klaffenden Wunde entsteigt, während der Operation selbst neu geboren wird.

  • Eröffnung: Dienstag, 24. Juni um 19 Uhr
  • Begrüßung: Mag. Günter Schönberger, Bildrecht
  • Zur Ausstellung: Prof. Joachim-Lothar Gartner, Bildender Künstler
  • Zur Thematik: Prof. Dr. Andreas Zuckermann, Leiter der Transplantationsambulanz, AKH Wien
  • u.A.w.g.: anmeldung@bildrecht.at, T +43 1 8152691

Im Rahmen der Ausstellung ist in Kooperation mit Tanz*Hotel Wien eine Performancereihe unter der choreografischen Leitung von Bert Gstettner an drei Abenden im Bildraum 07 zu sehen sein.

  • Titelmotiv: Eva Petrič. The Giver, Hematoma Serie, 2013
  • Häkelgarn und Videoloop. © Bildrecht, Wien 2014
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6. Juli bis 13. September Pavelhaus, Laafeld/Potrna, Wien, Ljubljana, Maribor, Laafeld/Potrna, Koper, Venice

http://sledi-spuren.net/

Die Eröffnung der Station der Reiseausstellung Sledi/Spuren im Pavelhaus in Laafeld/Potrna findet am 5. Juli um 19 Uhr statt. Die Ausstellung ist von 6. Juli bis 13. September zu sehen, bevor es nach Koper weitergeht.

Sledi/Spuren ist eine Reiseausstellung entlang der Südbahnstrecke von Wien nach Venedig. Anlässlich des Jubiläumsjahres 2014 reflektieren wir die europäischen Entwicklungen der letzten 100 Jahre, unsere Identität und unsere Rolle als Kulturschaffende in deren Bildung. Wir erinnern uns der gemeinsamen Geschichte, sowie der Zerwürfnisse, der Grenz- und Nationenbildungen.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Ausstellungsreihe ist das Miteinander von Künstler_innen aus beiden Ländern, die grenzenübergreifende Kollaboration und der permanente und intensive Austausch mit unseren Nachbar_innen.

Die Verbindungslinie durch die Eisenbahn von Wien zum Meer und damit dem dort gelegenen Hafen war eine Art Hauptschlagader der Habsburgermonarchie. Die Beiträge der Künstler_innen beziehen sich thematisch auf diesen Transportweg, auf Verwirklichung und Zerstörung von Identitäten, auf Vorfahren und Dinge die noch kommen.

Ausstellende Künstler_innen:

Gino Alberti, Svetlana Jakimovska Rodič, Gani Llalloshi, Lorena Matic, Goran Medjugorac, Andrew M. Mezvinsky, Katja Oblak & Julij Borštnik, Eva Petrič, Tiberius Stanciu, Anja Šmajdek, Franz Wassermann und Letizia Werth

Kuratoren: Denise Parizek und Vasja Nagy

Zu einigen Ausstellungen werden von den Galerien ART-TALKS bzw. LECTURES mit Gästen aus Kunst, Wissenschaft und Medien veranstaltet. Die Gespräche, Videos und Fotos der Ausstellungen werden über die Webpage und Social Media verbreitet.


Ausstellungsorte:

Wien Schleifmühlgasse 12-14 4.4. - 26.4.2014 1040 Wien Öffnungszeiten: Do. + Fr. 14-19 Uhr, Sa. 10-15 Uhr http://12-14.org

Ljubljana ZRC SAZU 8. 5. – 28. 5. 2014 Novi trg 2, Ljubljana  http://www.zrc-sazu.si

Maribor EPeKa 30. 5. – 22. 6. 2014 Koroška 8 http://www.epeka.si

Laafeld/Potrna Pavelhaus/Pavlova hiša 06.07 - 13.9.2014 Öffnungszeiten: Di.-Sa. 13.30 – 18.30 h http://www.pavelhaus.at

Koper Obalne galerije Piran Galerija Loža Titov trg 1 19.09.–02. 11. 2014 Öffnungszeiten: Die.-Sa. 11 – 18 Uhr So. 11 – 16 Uhr http://www.obalne-galerije.si

Venice Obalne galerije Piran Galleria A+A San Marco 3073 4.–27. 12. 2014 Öffnungszeiten: Di.-Sa. 11-14 Uhr & 15-18 Uhr http://www.aplusa.it/en


  • SLEDI/SPUREN ist grenzenlos.
  • SLEDI/SPUREN hat eine enorme Reichweite im Kontext zeitgenössischer europäischer Kunst.
  • 6 Städte, 3 Länder, 12 Künstler_innen. Gebündelte Energien für eine große Sache.
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Juni, Juli 2014

Kuratiert von Vasja Nagy

Sieben Künstler, darunter drei slowenische, haben sich im Rahmen der Webausstellung "Was wäre wenn...und darüber hinaus" Gedanken über Zukunft, Vergangenheit und diverse Aspekte und Szenarien gemacht.

Gani Llalloshi hat 2012 eine Bilderserie gemalt und ihr den Titel Nostalgie gegeben. Die Serie basiert auf einem traumartigen, surrealen Blick auf eine imaginäre Landschaft, umgeben von einer typischen Teppichbordüre aus der Tradition seiner Vorfahren. Nostalgie gilt als unheilbare psychische Krankheit. Sie will eine Rückkehr in die Vergangenheit und keine Rückkehr an den Ort der Sehnsucht, wie der Begriff vermuten lässt. In einer abgemilderten Form findet sich Nostalgie in jeder Generation, doch wir stellen uns die Vergangenheit meistens erst nach der Jugendzeit harmonischer und glücklicher vor als die Gegenwart. Die gute alte Zeit ist eine endlose Geschichte, eine stets wiederholte Äußerung, ein Spruch von Leuten, die älter sind als wir. Die alten Römer würden es so ausdrücken: O tempora, o mores. In guten alten Großbuchstaben natürlich.

Wir erleben unsere heutigen Gegenwart vermutlich in diesem Gemütszustand und stellen sie der Vergangenheit gegenüber, chaotisch anstatt geordnet. Doch es gibt einen Unterschied, der ins Auge fällt, wenn wir die letzten 40 Jahre mit früheren Aufzeichnungen vergleichen. Es scheint so, als ob unsere Gesellschaft im Allgemeinen – sagen wir, die globale Gesellschaft – sich um das zukünftige Überleben der Menschheit auf der Erde niemals solche Sorgen wie heute gemacht hat (wir werden später zeigen, warum das nicht der Fall ist). Angesichts des raschen Aussterbens so vieler anderer Lebensformen liegt es nahe, wissenschaftliche Verbindungen zu unseren eigenen Lebensbedingungen herzustellen. Aber es geht nicht nur ums Überleben, sondern auch darum, die Vision eines Projektes in seinem etymologischen Sinn als pro iacere, als Vor-wurf zu besitzen, als ein Vor-werfen bis in die folgende(n) Generation(en). Was immer wir von der Vergangenheit in Betracht ziehen – Pyramiden, Aquädukte, illuminierte Manuskripte, Kathedralen, in gewisser Hinsicht sogar die ersten Fabriken –, ist für eine lange Dauer, beinahe für die Ewigkeit, gemacht worden. Die Kunst, einschließlich der Moderne, verhielt sich sehr ähnlich. Es ist zwar möglich, bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts individuelle postmoderne Gesten zu entdecken, aber der Großteil der Kunst verblieb in der alten Art und Weise bis zu dem, was wir heute zeitgenössische Kunst nennen. Der Hauptunterschied zwischen der zeitgenössischen und der modernen Kunst besteht darin, dass die Letztere stets noch dafür konzipiert war, um in Form und Bedeutung unverändert fortzudauern, während die Erstere per definitionem temporär ist. Während die Moderne zumeist noch auf der Suche nach reiner und ewiger Kunst war, funktioniert zeitgenössische Kunst vielmehr als ein Katalysator der Gegenwart. Zeitgenössische Kunst führt ihren vorübergehenden Charakter in vielen Sprachen bereits im Namen. Es geht einfach darum, dass sie in einer viel fragileren Weise als Kunst fungieren soll, als alle älteren Kunstformen, von denen die KunsthistorikerInnen übereingekommen sind, sie als Kunst zu bezeichnen. Ihr Kontext bezieht sich üblicherweise auf die nähere Umgebung, über sie hinaus wird das Kunstwerk nicht mehr als Kunst angesehen. Technisch gesprochen kann zeitgenössische Kunst als ein historischer Stil begriffen werden, der behauptet, dass alle Kunst einst zeitgenössisch war, und nur Sinn ergibt, wenn ihre Zeitgenossenschaft erklärt wird.

Zur Webausstellung geht es hier.

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Verlängert bis 30. August Burgkapelle, Museum Moderner Kunst MMKK, Klagenfurt

Die junge slowenische Künstlerin Eva Petrič ist auf verschiedenen Kontinenten, in unterschiedlichen Kulturkreisen aufgewachsen. Die Erfahrungen als Kosmopolitin haben ihren Blick auf die Welt und das Leben in dieser Welt geprägt und ihre Sensibilität geschärft. Mit diesen Voraussetzungen hat die Künstlerin eine individuelle, interdisziplinäre Sprache entwickelt. Frei und unkonventionell schöpft sie aus dem Fundus der Menschheitsgeschichte, wenn sie Märchen und Mythen, Zeichen und Symbole, Entdeckungen, Erfindungen und Relikte aufgreift, subjektiv auflädt, interpretiert und mit persönlichen Gedanken und Gefühlen verbindet, um damit zu neuen Erzählungen zu finden. In poetischen, geistigen oder realen Bildern und Bildräumen erzeugt sie, in phantastischen Inszenierungen, konkrete und imaginäre Räume.

In der Burgkapelle installiert Eva Petrič eine multimediale Arbeit, die auf einem ESA-Foto des Weltraumteleskops „Hubble“ beruht, das neu entstandene Sterne und Sternkonstellationen abbildet. Diese spezifische stellare Formation baut Eva Petrič nach, indem sie unzählige kleine Spitzendeckchen zu großen, textilen Formelementen zusammennäht, die in der Kapelle kulissenhaft aufgespannt werden. Dazu kommen eine Soundkulisse mit NASA-Aufnahmen von Weltallgeräuschen, dem Gesang der Künstlerin und der Musik von ihr und Matija Strniša sowie fotografische Projektionen, die den Raum in ein interagierendes, evokatives, atmosphärisches Gefüge verwandeln. Der geistige Vorstellungsraum der Kapelle tritt über die limitierenden Grenzen seiner bisherigen Bestimmung. Die grundlegenden existentiellen Fragen, die im spirituellen Kontext virulent sind, werden in einen erweiterten Diskurs, abseits des religiösen Rahmens, gestellt, der Urknall-Theorie und theologischen Schöpfungsmythos verbindet.


Die Eröffnung findet am 5. April um 11 Uhr in der Burgkapelle, Museum Moderner Kunst MMKK, Klagenfurt statt.


http://www.mmkk.at/30753_DE-MMKK


Foto: IN-between-SPACE, 2014, Detail, © Bildrecht, Wien, 2014