24. März bis 1. Juni 2020 für seine Übersetzung des Romans Chronos Erntet von Mojca Kumerdej
  • FABJAN HAFNER PREIS
  • Übersetzerpreis Deutsch-Slowenisch
  • NAGRADA FABJANA HAFNERJA
  • Slovensko-nemška prevajalska nagrada

Das Goethe-Institut Ljubljana verleiht zusammen mit dem Literarischen Colloquium Berlin, dem Robert-Musil-Institut / Kärntner Literaturarchiv, der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Slowenien und dem Bundesland Kärnten/Koroška den Fabjan-Hafner-Preis für die besten Übersetzungen aus dem Slowenischen ins Deutsche und umgekehrt. 2017 wurde der Preis anlässlich der Slowenischen Buchmesse zum ersten Mal für eine hervorragende Übersetzung aus dem Deutschen ins Slowenische verliehen, und im Jahr darauf 2018 anlässlich der Leipziger Buchmesse für eine hervorragende Übersetzung aus dem Slowenischen ins Deutsche. In diesem Wechsel wird der Fabjan-Hafner-Preis auch in Zukunft verliehen. Wegen der Absage der Leipziger Buchmesse wurde die Preisverleihung verschoben.

Für die herausragende Übersetzung von „Chronos erntet“ (Kronosova žetev von Mojca Kumerdej), erschienen 2019 beim Wallstein Verlag, wird der Fabjan-Hafner-Preis für das Jahr 2020 nach der Beurteilung der Fachjury – in der folgenden Zusammensetzung: Jürgen Jakob Becker, Dr. Johann Georg Lughofer und Dominik Srienc – dem Übersetzer Dr. Erwin Köstler verliehen.

Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Slowenien Borut Pahor und des Präsidenten des Goethe-Instituts e.V. Prof. Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann, des Landeshauptmanns von Kärnten Dr. Peter Kaiser und des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Slowenien Klaus Riedel.

Das Datum und der Ort der Preisverleihung werden nachträglich bekannt gegeben.


BEGRÜNDUNG DER JURY ZUR VERLEIHUNG DES FABJAN-HAFNER-PREISES AN ERWIN KÖSTLER FÜR DIE ÜBERSETZUNG „CHRONOS ERNTET“

Erwin Köstler übersetzte in mehr als 25 Jahren fast 50 Bücher, darunter bedeutendste Werke aus dem Slowenischen und hat sich dabei unter anderem als Herausgeber der deutschsprachigen kommentierten Werkausgabe Ivan Cankars im Drava Verlag höchstes Lob und Anerkennung verdient.

Nun stellte er sich erneut einer Riesenherausforderung: Das herausragende und preisgekrönte Werk von Mojca Kumerdej „Kronosova žetev“ war aufgrund seiner spannenden vielperspektivischen und vielschichtigen Sicht auf die Zeit der Gegenreformation in damals innerösterreichischen Landen, heute slowenischem Boden, zweifellos ein Muss für eine Übersetzung ins Deutsche. Skurrilerweise scheint es, dass in Zeiten der heutigen politischen Präferenzen der von Migrationshysterie und Virenangst getriebenen Wähler das in fernen Zeiten angesiedelte Werk nach seinem Erscheinen immer noch an Aktualität und Bedeutung gewinnt. Wir können nur dankbar sein, dass dieses wichtige Buch nun in deutscher Sprache vorliegt.

Doch nicht nur die Romanlänge, sondern auch die literarische Mehrstimmigkeit, die in diesem Text mit extrem verschiedenen sprachlichen Registern einhergeht, machte dieses Unternehmen zu einer äußerst schwierigen Aufgabe – sprachlich sowie inhaltlich. Diese große Herausforderung erledigte Erwin Köstler mit Bravour: die höchst anspruchsvollen Wechsel von umgangssprachlichen und konjunktivträchtigen Gerüchten im Volk zu laienphilosophischen Reflexionen, von kirchengeschichtlichen Berichten und Diskussionen zu Flüchen voller Kraftausdrücke schafft der Übersetzer ohne jeglichen sprachlichen, inhaltlichen oder literarischen Fehlgriff, obwohl diese Übersetzungsarbeit diesbezüglich wohl ein Minenfeld war. Die vortreffliche Übersetzung zeugt nicht nur von äußerstem sprachlichen und sozialen Feingefühl, sondern auch von großem historischen und kulturellen Wissen.


ÜBER DEN PREISTRÄGER

Erwin Köstler, geboren 1964, ist Übersetzer und freier Literaturwissenschaftler. Er lebt in Wien. Köstler übersetzt aus allen literarischen Gattungen, sowohl „klassische“ (u.a. Vladimir Bartol, Ivan Cankar, Slavko Grum, Srečko Kosovel, Prežihov Voranc) als auch zeitgenössische slowenische Literatur (u.a. Franjo Frančič, Zoran Hočevar, Mojca Kumerdej, Sebastijan Pregelj, Andrej Skubic, Breda Smolnikar), Literatur von Kärntner Slowenen (Jože Blajs, Milka Hartman, Lipej Kolenik) und Graphic novels – zuletzt erschienen: Alma M. Karlin, Weltbürgerin aus der Provinz von Marijan Pušavec und Jakob Klemenčič; 2018 erscheint ferner die fünfbändige Graphic novel „Die Mexikaner“ von Zoran Smiljanić und Marijan Pušavec in seiner Übersetzung (beide: bahoe books, Wien). Er arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte intensiv mit dem Klagenfurter Drava Verlag zusammen und startete 1994 dort seine Werkausgabe Ivan Cankar in kommentierten Einzelbänden, die seinen Ruf als literarischer Übersetzer und innovativer Literaturvermittler begründete. Er war Initiator und Herausgeber der Buchreihe Slowenische Bibliothek, die als Gemeinschaftsprojekt der Verlage Drava, Hermagoras/Mohorjeva und Wieser geplant war und von welcher er 2013 fünf Bände realisieren konnte. Seine umfangreiche Vermittlungstätigkeit schließt Vorträge und Lehrtätigkeit ebenso ein wie publizistische und wissenschaftliche Arbeiten zum Übersetzen und zur slowenischen Literatur. 1999 wurde Köstler mit dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzer ausgezeichnet, 2010 erhielt er das Lavrin-Diplom des slowenischen Übersetzerverbandes.


DER PREIS

Der Preis beinhaltet ein einmonatiges Arbeitsstipendium in der Residenz des Literarischen Colloquiums Berlin (einschließlich Reise- und Aufenthaltskosten), einen Geldpreis in Höhe von 4000 € sowie eine Lesung mit anschließendem Gespräch im Robert-Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv Klagenfurt.

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